Oh mein Gott,
Immer wieder bin ich da gesessen…
In deiner Gegenwart…
Du ganz in Gold…
und so weit weg…
Stunde um Stunde habe ich gehofft,
dich hier zu finden, zu spüren…
Hab gehofft,
dass du spürbar nah bist…
Leute kommen und gehen…
Schauen ganz versunken aus…
und ich spür dich nicht…
Spür dich hier einfach nicht…
Leute kommen und gehen
und wissen wie das hier geht
mit den Kniebeugen und Kreuzzeichen
Und ich kann das einfach nicht…
Habs einfach nicht drauf, diese frommen Zeichen…
Und ich bau eine Mauer
fühl mich immer verschlossener
und spür dich einfach nicht…
In meinem Ohr singt jemand
Sätze von Thomas von Aquin…
„Lass mich immer mehr auf dich vertrauen, mein Gott
Du bist meine Hoffnung, nach dir sehn ich mich…“
Ja genau… ich sehn mich nach dir!
Und finde dich hier einfach nicht…
Und ich probiers wieder…
So viele so wundervolle Texte ziehen an meinem Ohr vorbei…
und ich fühl einfach nur meine Mauer…
Warum spür ich dich hier nicht??
Warum bin ich so eine Zeichenversagerin hier…
ständig verpass ich, dass alle knien…
Hmmm… alle schauen so andächtig,
die habens gut…
Die spüren dich – wahrscheinlich…
Da… ein Sehnsuchtstext…
O mein Gott, wie ich mich nach dir sehne…
Warum spür ich dich denn hier nicht,
wo du doch gerade hier so nahe sein müsstest…
Achhhhhhhh….
Ich versuche alles loszulassen…
meine ganze Traurigkeit, meine Mauer,
meine Leere…
Nimm auch meine Sehnsucht,
unfassbarer Gott…
Draußen wirbeln die Schneeflocken…
Wirbeln mich zum Bahnhof…
Wahrscheinlich kein Zufall…
Ich steh da und hab viel Zeit…
Es ist kalt, und dunkel
Ich lehn an der Glasscheibe am Bahnsteig…
Lächle einer Obdachlosen zu, die lächelt zurück…
Oje… eine Gruppe Jugendlicher… schon ziemlich betrunken…
Ich lächle auch mal… vorsichtig…
und bekomme mindestens 3 Lächeln zurück…
Ich unterhalte mich lange mit einem netten, jungen Syrer…
Seine Augen strahlen, …
und mitten am Bahnhof, mitten in der Kälte,
mitten in der Nacht find ich dich: im Strahlen dieser Augen…
Du bist auch da, im Lächeln der Obdachlosen, der Jugendlichen
bist einfach wieder da,
spürbar nah,
umarmst mich….
Vielleicht ist so ein Bahnhof manchmal auch ein Tabernakel…
Und da schlägt dein Herz…
Angst vor einer dreckigen Hose hatte ich eh noch nie…
Irgendwie passts wohl, dass ich dich am Bahnhof finde…
Du, Jesus, in einem Stall geboren, weil nirgends Platz war…
Irgendwie passt „gold“ nicht so zu dir…
Du führst mich hinaus ins Weite,
du machst meine Finsternis hell!!
Immer wieder…
Liebevoller, Zärtlicher…
Ich bin so unendlich froh, dass du wieder nah bist…
Und das mit dem ganzen Gold,
lern ich schon nochmal…
Hoffentlich…